Archiv für den Monat: Dezember 2015

08.11.2014, Tapetenwechsel

Bei Renovierungsarbeiten in meinem Hausflur, genauer der Flur der Dachwohnung, habe ich begonnen, alte Tapeten von der geputzten Wand zu entfernen.

Schicht für Schicht habe ich entfernt, dabei kamen mir wieder bestimmte Bilder aus verschiedenen Lebenssituationen in meinen Kopf. Meine Eltern hatten das Haus in den Siebzigern gebaut, ich war zu der Zeit ein Heranwachsender, heute würde man sagen, Teenager. Die Tapeten erzählten mir meine Geschichte seit dieser Zeit, immerhin so über 35 Jahre. Es begann zu der Zeit meiner Ersten, und sehr lange einzigen, Freundin, denn ich heiratete diese junge Frau. Nahm sie noch vor der Hochzeit in meinem Elternhaus mit auf. Das war zur Zeit der ersten Tapetenschicht, die ich ja jetzt als letzte freigelegt hatte.

Dann folgte die zweite Ebene der Tapeten-Chronologie, verbunden mit der Geburt unserer ersten Tochter, sie ist heute schon 27 Jahre alt, und, wie alle meine Kinder, ein wunderbarer Mensch. Hier endet schon die erste Tapetengeschichte. Ich denke, es kommen noch weitere hinzu.

08.10.2014, Im Hier und Jetzt

Unbeschwert, ohne Last, angstfrei…das sind alles Bewusstseinszustände die ich früher nur sehr selten spüren konnte. Hin und wieder war dieser Zustand einfach da, aber immer nur kurz und immer kürzer und seltener! Sofort danach fing es wieder an in meinem Kopf, Gedanken, Gedanken und abermals Gedanken, Schlaflosigkeit war nur eine der Folgen dieses Kampfes meiner „Denkstelle“!

„Wie komme ich da raus?“, diese Frage habe ich mir gar nicht gestellt, dieser Zustand war für mich „normal“, es sollte doch so sein! Oder?

Mein Verstand hatte die Kontrolle übernommen, dieser verfolgte ein Ziel, welches auf meinem Weg aber nicht zu erreichen war. Dieser Weg führte mich letztendlich in die Krankheit, mein Körper gab mir die Quittung für den Weg meines Verstandes. Das, was ich jahrelang als DAS Ziel verfolgt habe, führte mich letztendlich in den Abgrund. Also blieb mir nur der Bruch mit meinem Verstand, welcher mich einen Großteil meines Lebens begleitet hat. Ich habe die Schuldigen dafür nur im Außen gesucht, aber die Lösung lag, und liegt, nur in mir selbst.

15.08.2014, Orchidee

In meinem Küchenfenster stehen seit langer Zeit mehrere Orchideen, alle in verschiedenen Farben. Vor einiger Zeit trug keine der Pflanzen mehr Blüten, und ich hatte schon jede Hoffnung aufgegeben, dass jemals wieder sich auch nur eine Blüte zeigen würde. Sogar jene Orchidee, welche ich vor kurzem erst selbst gekauft hatte, war Blütenlos. Ich bin nicht der Blumenkenner und schon gar nicht einer, welcher sich gern mit Pflanzen beschäftigt. Nach einer gewissen Zeit hatte ich schon alle Hoffnung für „meine“ Orchideen aufgegeben und entschloss mich, diese auf den Komposthaufen zu tun. Ich stellte sie schon mal auf die Terrasse um sie beim nächsten Gang zum Kompost mitzunehmen. Dort standen sie nun eine gewisse Zeit, so wie ein zum Tode Verurteilter  in seiner Zelle auf sein Schicksal wartet, warteten sie dort auf ihres. Ich sah in ihnen keine Zukunft und hatte ihr Todesurteil unterschrieben.

Meine damalige Lebensgefährtin sah aber noch Hoffnung, sah bei den Pflanzen einen tiefen Willen alles zu geben um selbst wieder Gefallen zu finden. So stellte ich die Orchideen wieder in mein Küchenfenster und nach nur ein paar Wochen zeigten sich wieder kleine Blütentriebe welche sich enorm entwickelten. Immer neue Triebe entstehen bei allen Orchideen in meinem Fenster, nur weil einer die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Die Hoffnung auf Erneuerung, auf ein Neues aufblühen des Lebens. Danke!

20.06.2014, Kein Baum wächst…

…in den Himmel. Nach dem frühen Ausscheiden der spanischen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien fielen mir wieder die Worte meines Steuerberaters aus den 90’er Jahren ein.

Als ich mich beruflich Selbstständig machte, verdoppelten sich meine Firmenumsätze im jährlichen Rhythmus. Aber so nach ca. 4 Jahren stagnierte der Umsatz, und stabilisierte sich auf einem für mich eigentlich gutem Niveau. Zu der Zeit sagte dann mein Steuerberater zu mir: „Kein Baum wächst in den Himmel“. Ich hatte meine Grenze des Machbaren erreicht, mehr ging halt nicht durch meinen Kopf. Denn alles, was durch meinen Betrieb ausgeführt werden sollte, wollte ich selbst bis ins Detail steuern! Versuche, Verantwortung auf Andere abzugeben schlugen fehl, oder ich war nicht beharrlich genug, dieses Vorgehen weiter durchzusetzen. Also war auch kein Wachstum mehr möglich.

Der Trainer der Spanier, Vicente del Bosque, hat es wohl versäumt, rechtzeitig in der Mannschaft neue, jüngere Spieler zu integrieren. Oder er hatte nicht den Mut dazu, einigen wohlverdienten Stammspielern einen Platz auf der Reservebank zuzuordnen. Einige spanische Spieler, und auch der Trainer, haben nach ihrem Ausscheiden bereits Verantwortung dafür übernommen. Auch die spanische Mannschaft konnte so nicht in den Himmel wachsen, ihr „Ende“ war vorprogrammiert!

13.06.2014, Acht Euro Fünfzig

Ein Mindestlohn für Alle, auch für Unternehmer, für Selbstständige? Wie wäre es z.B. mit einer Pflicht-Sozialabgabe, welche Kunden von kleinen Gewerbetreibenden automatisch an eine eigens für diese selbstständig agierende Gruppe abführen müssen. Unabhängig davon, ob sie die Rechnung bezahlen, oder irgendetwas an der Arbeit auszusetzen haben. Sie werden per Gesetzt dazu verpflichtet, zahlbar innerhalb von 10 Werktagen nach Ablieferung der angenommenen Leistung. Verzugszins 5% je Monat (Diesen Verzugszins haben Krankenkassen von ihren freiwillig Versicherten, also meistens kleine Gewerbetreibende, für verspätete Zahlungen erhoben. Ein jährlicher Zinssatz von 60%, in Worten: Sechzig Prozent!) Oder mit automatischen Mahngebühren für eine verspätete Bezahlung von Handwerker-Rechnungen, wie sie der Staat bei nur eintägig verspätetem Zahlungseingang, z.B. der Umsatzsteuer, einfordert. Die Umsatzsteuer, welche vom Endverbraucher zu zahlen, aber vom Unternehmer an den Staat abzuführen ist, wer bezahlt diesen Aufwand? Dafür fordere ich auch 8,50 €/Std Mindestlohn für den Gewerbetreibenden, denn dieser Aufwand wird nicht vergütet, er wird für die „Gemeinschaft“ kostenfrei erbracht!

Auch für den Aufwand, die Sozialabgaben für die Beschäftigten einzutreiben und an die Sozialkassen weiterzureichen, fordere ich den Mindestlohn. Oder noch besser: Der Gewerbetreibende lässt dieses Tätigkeiten von einem Dienstleister ausführen und stellt dieses dann dem Staat, also der Gemeinschaft, in Rechnung. Ich fordere auch bei Krankheit von Gewerbetreibenden, welche zur kurzfristigen Arbeitsunterbrechungen führen, automatische Lohnfortzahlung, wie sie auch Sozialversicherungspflichtige bekommen, ohne dafür Wucherbeiträge an die Krankenkasse abführen zu müssen.

Alles utopische Forderungen, warum? Sicher muss sich keiner Selbstständig machen, aber mit der Forderung von sozialer Gerechtigkeit für abhängig Beschäftigte ist es doch nur legitim die gleichen Standards für Unternehmer zu fordern?

12.06.2014, Verbindung

Am Pfingstwochenende hat es mich zu einem Ort getrieben, Einem, zu dem mich meine Eltern als kleines Kind mitgenommen hatten. Es war in den sechziger Jahren, meine Eltern waren, wie mein Vater immer sagt, „Kleine Bauern“. Für mich war es in dem Alter eine weite Reise, obwohl das Ziel nicht einmal 200 Km von unserem Heim entfernt war. Meine Eltern konnten sich zu der Zeit keinen großen Urlaub leisten, ich habe es aber nicht vermisst. Ich erinnere mich, dass es im Auto sehr heiß war, eine Klimaanlage gab es zu dem Zeitpunkt in dem kleinen VW-Käfer nicht.
Auch auf meiner jetzigen Tour hatten wir sehr heißes Wetter und wenig Wind. Aber warum wollte ich wieder dorthin? Zum einen war meine Lebensgefährtin noch nicht dort, so konnte ich ihr etwas für sie Neues zeigen. Zum anderen war es auch mein inneres Kind, welches sich immer wieder in mir zeigt. Die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben, so wie ich es in meiner frühen Kindheit erlebt hatte. Die Lebens-Freiheit genießen zu können, ohne Last und Druck von Außen. Ohne Zwänge, welche in unserer Erwachsenengesellschaft auf mir lasten, durch das Leben gehen zu können.
Aber die eigene Freiheit hört genau da auf, wo die des Anderen anfängt, daran sollte ich mich orientieren.

02.06.2014, Alt und Jung

Gerade habe ich erfahren, dass es in unserem Umfeld einen Konflikt zwischen Jung und Alt gegeben hat, genauer gesagt einen Generationenkonflikt. Ich habe dann darüber nachgedacht, wie sich in meinem Umfeld damals die Übergabe der „Macht“ vollzogen hat. Mein Vater hat mir seinen landwirtschaftlichen Betrieb übergeben als er 65 Jahre alt wurde, er hätte sonst kein Geld der landwirtschaftlichen Alterskasse bekommen. Ich war aber kein Landwirt von Beruf, sondern Tischler, genauer, Tischlermeister. Also machte ich mich daran, aus dem landwirtschaftlichen Betrieb eine Tischlerei zu bauen. Dabei war es mein Vorteil, etwas anderes zu machen als mein Vater es gelernt hatte. So konnte er fachlich nie etwas zu dem sagen, wie ich es halt machte.

Ich möchte mir nicht vorstellen, wie eine Übergabe bei Berufsgleichheit abläuft, in dem der „Alte“ vorher der Chef war, und nun das Zepter von einen auf den anderen Tag abgeben muss. Und das ganze Szenario noch vor dem Hintergrund zweier Familien, von Allen muss höchste Toleranz den Anderen entgegen gebracht werden!  Ich bin meinem Vater für seine Zurückhaltung im Nachhinein sehr dankbar, diesen „Vorteil“ habe ich genossen. Vielleicht wäre aber der ein oder andere sachliche Hinweis für eine bessere Alltagsbewältigung meinerseits hilfreich gewesen.

28.05.2014, Lebensversicherung

Im Sommer 2015 soll in Deutschland die Ausschüttung von Gewinnen aus Kapital-Lebensversicherungen neu geregelt werden. Hierbei kann es dazu kommen, dass die Ausschüttungen von langjährigen zusagen der Versicherungsträger massiv gekürzt werden. Großaktionäre der Versicherungsträger sehen ihre Gewinne dahin schmelzen, und schon reagiert die Politik. Man wolle die Sparer schützen, heißt es, auch der Aktionär soll auf einen Teil seines Gewinnes verzichten.  Es soll gerecht zugehen, zwischen langjährigen, und den neu abgeschlossenen Verträgen. Wenn die Zusagen an den alten Verträgen nicht eingehalten werden, wird die Versicherungsindustrie dafür auch die Quittung bekommen. Und genau das möchte diese Industrie verhindern, durch ihre Lobbyarbeit in Berlin.

Wo ist die Lobby der Versicherten, eigentlich sollten es „unsere“ Volksvertreter in Berlin sein. Jeder langjährige Lebensversicherte muss jetzt seinen Wahlkreisabgeordneten ins Gewissen reden. Die Übermacht der Lobbyisten muss eingedämmt werden, JETZT! Die alt hergebrachte Kapital-Lebensversicherung hat eh ausgedient, auf zu neuen Ufern!

24.05.2014, Täuschung

Bis in das Jahr 2011 hatte ich Mitarbeiter in meinem Betrieb beschäftigt, sozialversicherungspflichtig versteht sich. Die jetzige Diskussion um die kalte Progression hat mir wieder vor Augen geführt, welche Leistung meine Mitarbeiter immer wieder abgeliefert haben. Auch welche Sozialabgaben sie zu leisten hatten. Ich als Unternehmer hatte daran meinen Anteil zu tragen, aber letztendlich mussten meine Mitarbeiter diese Leistung erwirtschaften. Über die Betriebskalkulation werden solche Kosten auf den Stundenlohn aufgeschlagen. Der Nachteil dieses Systems für den Beschäftigten ist, dass dieser nicht auf Anhieb sieht, welche Sozialleistungen er tatsächlich erarbeitet hat. Der Vorteil für den Staat ist die Verschleierung dieser Abgaben. Reell wäre es, den Lohn entsprechend nach oben anzupassen und die Sozialabgaben zu 100% auf dem Lohnzettel auszuweisen, damit der Beschäftigte auf Heller und Pfennig den eigentlichen Wert seiner Arbeit ablesen kann!

22.05.2014 Früher in Rente

Als Focus-Leser aus meinen alten (erfolgreichen) Zeiten bin ich ein wenig schockiert über das Titelbild zum Wochenthema des Focus 21/14: „Früher in Rente“. Es zeigt einen erfolgreichen Mann so mit knapp 60 Lenzen, an der Hand eine Mitdreißigerin. Beide von schlanker Gestalt, auf einem weißen, wohl nicht gerade kleinem, Boot.

Bei dem abgebildeten Paar habe ich nicht den Eindruck, dass diese sozial bedürftig wären, sondern sich ihrem Lebensabend wohl selbst finanzieren können. Das jetzt gerade intensiv diskutierte Thema Rente mit 63 betrifft aber gerade eine andere Klientel. Nämlich jene, welche mit ihrer körperlichen Arbeit für den dort abgebildeten Luxus gesorgt haben. Wie verschoben muss unsere Welt erst werden bis die Massen auf die Straße gehen?

Aber wie sagten schon die Römer: „panem et circenses“