2016-01-06 16.24.47

Sehr mitfühlend…

…ist mein Vater. Immer im Winter baute er das, mit einem Dreibein versehene, Futterhäuschen im Vorgarten auf. In diesem Winter, und auch schon im Letzten, war er selbst nicht mehr im Stande dieses aufzustellen. Im letzten Jahr erledigte dies sein Enkel, in diesem Jahr stellte ich es auf. Mein Vater fühlt mit den Vögeln, wie sie im Winter leiden.

Woher kommt sein Mitgefühl, ist es angeboren, von den Eltern erlernt? Oder liegt es an seinen Erfahrungen aus der mehrjährigen Kriegsgefangenschaft in Russland von 1945 bis 1948? Woran denkt er, wenn er das Futterhäuschen mit Vogelfutter auffüllt? An sein selbst erlebtes Leid, oder mit ansehen zu müssen, wie andere Menschen verhungern?

Nutzen die Vögel meinen Vater aus? Wohl nicht, er macht es freiwillig. Geben ist seliger als Nehmen, so wird in unserem Kulturkreis gesagt. Und je älter mein Vater wird, desto lieber gibt er, das letzte Hemd hat keine Taschen…

2016-01-21 12.45.12

Klarheit…

…und Durchblick an einem schönen Wintertag, wer kennt das nicht? Beim Einatmen der trockenen und kalten Winterluft merkt man jede Strömung bis in die Lungenflügel, der Schnee knirscht beim Gehen. Manchmal ist eine Vision, oder ein Ziel, für mich klar erkennbar, so wie ein an diesen Tag erkennbares, weit entfernt am Horizont fliegendes, Düsenflugzeug. An anderen Tagen ist es aber so, als ob ich im Nebel umherirre, die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, kein klares Ziel ist mehr erkennbar.
Ein Ziel für den nächsten Tag, die nächste Woche, das nächste Jahr, den Rest meines Lebens, wie möchte ich den Rest meines Lebens verbringen?

Wie wäre es, wenn jeder sein Sterbedatum kennen würde? Wie verändern sich dann die Ziele der Menschen, würden sie einen Tag vor ihrem Ende noch einen Apfelbaum pflanzen? Würde ich das tun, in der Hoffnung darauf, dass es doch noch weiter geht, oder weil ich mit Allem im Reinen bin? Oder würde der Mensch, also auch ich, seine geheimsten Wünsche zum Leben erwecken?

JETZT die gewünschten Ziele setzen, und erreichen…

2016-01-03 10.23.57

04.01.2016 (Un)Begrenzte Freiheit

Unbegrenzte Freiheit, wer würde diese nicht genießen, sich ohne Grenzen bewegen. Für Malie, die junge Hundedame auf dem obigen Bild, herrschte diese Freiheit für ein paar Wochen. Sie konnte sich in meinem Umfeld frei bewegen, es war ein warmer Dezember 2015, das Bild oben täuscht da etwas.

Malie konnte morgens frei ihren Gassi-Weg wählen, ohne Begleitung. Sie ist gut erzogen, nutzt aber jede Möglichkeit ihren Hüte-Instinkt auszuleben. Nur nach einiger Zeit wurde auch ein Jäger auf Malie aufmerksam, und Malie bewegte sich in dem Revier des Jägers. Und dieser fand es nicht gut, dass jetzt ein Hund in seinigem Umfeld aufkreuzte. Was bildet sich der Hund ein, Fährten zu verfolgen, Fährten seiner Rehe. In der Natur gilt das Recht des Stärkeren, und da ist der Jäger mit seinen Waffen unangefochten der Chef.

Für mich stellt sich jetzt die Frage, würde der Chef im Revier mit Malie kurzen Prozess machen, obwohl sie nicht wildert, nicht zur Brut- und Setzzeit frei herumläuft? Wenn der Schuss fällt ist es zu spät…

 

…wer setzt mir den finalen Schuss?

2016-01-04 09.49.06

08.11.2014, Tapetenwechsel

Bei Renovierungsarbeiten in meinem Hausflur, genauer der Flur der Dachwohnung, habe ich begonnen, alte Tapeten von der geputzten Wand zu entfernen.

Schicht für Schicht habe ich entfernt, dabei kamen mir wieder bestimmte Bilder aus verschiedenen Lebenssituationen in meinen Kopf. Meine Eltern hatten das Haus in den Siebzigern gebaut, ich war zu der Zeit ein Heranwachsender, heute würde man sagen, Teenager. Die Tapeten erzählten mir meine Geschichte seit dieser Zeit, immerhin so über 35 Jahre. Es begann zu der Zeit meiner Ersten, und sehr lange einzigen, Freundin, denn ich heiratete diese junge Frau. Nahm sie noch vor der Hochzeit in meinem Elternhaus mit auf. Das war zur Zeit der ersten Tapetenschicht, die ich ja jetzt als letzte freigelegt hatte.

Dann folgte die zweite Ebene der Tapeten-Chronologie, verbunden mit der Geburt unserer ersten Tochter, sie ist heute schon 27 Jahre alt, und, wie alle meine Kinder, ein wunderbarer Mensch. Hier endet schon die erste Tapetengeschichte. Ich denke, es kommen noch weitere hinzu.

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08.10.2014, Im Hier und Jetzt

Unbeschwert, ohne Last, angstfrei…das sind alles Bewusstseinszustände die ich früher nur sehr selten spüren konnte. Hin und wieder war dieser Zustand einfach da, aber immer nur kurz und immer kürzer und seltener! Sofort danach fing es wieder an in meinem Kopf, Gedanken, Gedanken und abermals Gedanken, Schlaflosigkeit war nur eine der Folgen dieses Kampfes meiner „Denkstelle“!

„Wie komme ich da raus?“, diese Frage habe ich mir gar nicht gestellt, dieser Zustand war für mich „normal“, es sollte doch so sein! Oder?

Mein Verstand hatte die Kontrolle übernommen, dieser verfolgte ein Ziel, welches auf meinem Weg aber nicht zu erreichen war. Dieser Weg führte mich letztendlich in die Krankheit, mein Körper gab mir die Quittung für den Weg meines Verstandes. Das, was ich jahrelang als DAS Ziel verfolgt habe, führte mich letztendlich in den Abgrund. Also blieb mir nur der Bruch mit meinem Verstand, welcher mich einen Großteil meines Lebens begleitet hat. Ich habe die Schuldigen dafür nur im Außen gesucht, aber die Lösung lag, und liegt, nur in mir selbst.

Blog Orchidee

15.08.2014, Orchidee

In meinem Küchenfenster stehen seit langer Zeit mehrere Orchideen, alle in verschiedenen Farben. Vor einiger Zeit trug keine der Pflanzen mehr Blüten, und ich hatte schon jede Hoffnung aufgegeben, dass jemals wieder sich auch nur eine Blüte zeigen würde. Sogar jene Orchidee, welche ich vor kurzem erst selbst gekauft hatte, war Blütenlos. Ich bin nicht der Blumenkenner und schon gar nicht einer, welcher sich gern mit Pflanzen beschäftigt. Nach einer gewissen Zeit hatte ich schon alle Hoffnung für „meine“ Orchideen aufgegeben und entschloss mich, diese auf den Komposthaufen zu tun. Ich stellte sie schon mal auf die Terrasse um sie beim nächsten Gang zum Kompost mitzunehmen. Dort standen sie nun eine gewisse Zeit, so wie ein zum Tode Verurteilter  in seiner Zelle auf sein Schicksal wartet, warteten sie dort auf ihres. Ich sah in ihnen keine Zukunft und hatte ihr Todesurteil unterschrieben.

Meine damalige Lebensgefährtin sah aber noch Hoffnung, sah bei den Pflanzen einen tiefen Willen alles zu geben um selbst wieder Gefallen zu finden. So stellte ich die Orchideen wieder in mein Küchenfenster und nach nur ein paar Wochen zeigten sich wieder kleine Blütentriebe welche sich enorm entwickelten. Immer neue Triebe entstehen bei allen Orchideen in meinem Fenster, nur weil einer die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Die Hoffnung auf Erneuerung, auf ein Neues aufblühen des Lebens. Danke!

Alhambra

20.06.2014, Kein Baum wächst…

…in den Himmel. Nach dem frühen Ausscheiden der spanischen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien fielen mir wieder die Worte meines Steuerberaters aus den 90’er Jahren ein.

Als ich mich beruflich Selbstständig machte, verdoppelten sich meine Firmenumsätze im jährlichen Rhythmus. Aber so nach ca. 4 Jahren stagnierte der Umsatz, und stabilisierte sich auf einem für mich eigentlich gutem Niveau. Zu der Zeit sagte dann mein Steuerberater zu mir: „Kein Baum wächst in den Himmel“. Ich hatte meine Grenze des Machbaren erreicht, mehr ging halt nicht durch meinen Kopf. Denn alles, was durch meinen Betrieb ausgeführt werden sollte, wollte ich selbst bis ins Detail steuern! Versuche, Verantwortung auf Andere abzugeben schlugen fehl, oder ich war nicht beharrlich genug, dieses Vorgehen weiter durchzusetzen. Also war auch kein Wachstum mehr möglich.

Der Trainer der Spanier, Vicente del Bosque, hat es wohl versäumt, rechtzeitig in der Mannschaft neue, jüngere Spieler zu integrieren. Oder er hatte nicht den Mut dazu, einigen wohlverdienten Stammspielern einen Platz auf der Reservebank zuzuordnen. Einige spanische Spieler, und auch der Trainer, haben nach ihrem Ausscheiden bereits Verantwortung dafür übernommen. Auch die spanische Mannschaft konnte so nicht in den Himmel wachsen, ihr „Ende“ war vorprogrammiert!