Archiv für den Monat: Februar 2020

Fliehkraft

Fortsetzung von „Eingenässt“:

 

…falls ich mal in diese Situation kommen sollte. Ansatzweise habe ich es schon erfahren, als ich selbst, in einem Alter um die 20 Jahre herum, mehrfach hintereinander Zeit im Krankenhaus verbringen durfte, selbst nicht fähig war, zur Toilette gehen zu können.

Eines dieser auslösenden Ereignisse war ein Motorradunfall, der sich ereignete, als ich mit Hartwig im Harz, einem deutschen Mittelgebirge, mit dem „Brocken“ als höchsten Berg, damals in einer anderen Welt liegend, nur aus der Ferne sichtbar, unterwegs war. Wir hatten uns beide aus unserem flachen Land auf den Weg gemacht. Hartwig mit seiner 400er Four, einer 4 Zylinder Honda aus den 70’ern, und ich mit meiner 250’er Suzuki, eine bissige Zweitakterin, mit den Fahrgestellqualitäten eines Fahrrades. Nach einer guten Stunde Anfahrt fuhren wir durch den Harz, natürlich nur auf der westdeutschen Seite, denn die für Ostdeutsche unüberwindbare Grenze trennte nicht nur den Harz, nicht nur Deutschland, sondern Anfang der 80’er die ganze Welt. Von der Westseite war der Brocken, mit seinen markanten Abhörtürmen, am besten von Torfhaus aus zu sehen. So fuhren wir bei schönstem Sommerwetter, begleitet vom Duft der Tannenadeln der vielen Bäume, auf den sich durch das Baumdickicht windenden Straßen. Nachdem wir abends auf einem Campingplatz mit ein paar anderen jungen Motorradfahrern die Kunst des Pernod-Trinkens „erlernten“, und uns zu später Stunde der Aufseher des Campingplatzes äußerst eindringlich aufforderte endlich Ruhe zu geben, schliefen wir ein, so tief und fest wie ein Bär während seines Winterschlafes. Wir hätten eigentlich 2 Tage Schlaf gebraucht, um den Rausch und den Lakritz-Geschmack loszuwerden. Wie hoch der Restgehalt des Alkohols in meinem Blut noch war, weiß ich nicht, und nach meinem schrecklichen Unfall, bei dem zum Glück kein anderer von mir mit verwickelt wurde, ist der Restalkoholgehalt in meinem Blut nicht ermittelt worden.

Was war nun geschehen, warum geschieht ein Unfall? Nun, wir wollten uns gegenseitig fotografieren, während wir eine Kurve im schönen Oker-Tal, natürlich mit möglichst viel Schräglage, durchfuhren. Ich war als erster dran, Hartwig wartete am Kurveneingang, erwartungsvoll mit dem Fotoapparat in der Hand. Ich startete mit meiner 250’er, bergauffahrend, die Linkskurve mit viel Elan fest im Blick.

Wenn ich gewusst hätte, dass…

 

Fortsetzung folgt

Bis demnächst, Euer h.Art.mut

Eingenässt

Fortsetzung von: „Der Rote Faden“

…diese Liebe brauche. Denn als Zwillingsschwester meines Vaters wusste sie um die Familie, in die ich, als letztes von vier Kindern, hineingeboren wurde.

Man wird einfach „geboren“. Gefragt wird man nicht, ob man dieses möchte. Mein Vater, weise, wie ein Mensch mit so einem gesegneten Alter es sein kann, sagte mal: „Es gibt keine Zufälle!“. Sicher, das Ei steht im Mutterlaib schon zur Verfügung, ob es da eine schon festgelegte Reihenfolge gibt, welches Ei wann zur Befruchtung freigegeben wird, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall trägt es aber die Gene der Mutter in sich, und die beste Samenzelle des Vaters, jene, die sich von seinen vielen „Kollegen“ als erste am Ziel durchsetzt, die Eizelle befruchtet, bringen die Gene des Vaters mit. Und auch, wie die Forschung mittlerweile festgestellt hat, bestimmte „Erfahrungen“, welche die Eltern in ihrem Leben gesammelt haben. Finde ich sehr erstaunlich, welche Wege die Natur schon vorgibt. Da denkt man nun als unschuldiges Neugeborenes, man wäre so rein wie eine neu formatierte Festplatte…ist aber nicht so, da sind schon Informationen in uns, von denen wir überhaupt noch nichts wissen.

Diese Erfahrungen, und jene, welche ich in meinem bunten Leben bis jetzt sammeln konnte, machen mich zu dem, der ich jetzt bin. Ein stetiger Entwicklungsprozess, welcher letztendlich wohl erst mit meinem Tod endet.

Das hört sich für den ein oder anderen vielleicht komisch an, aber ich musste erst 50 Jahre alt werden, um mich gegen meinen Vater durchsetzen zu können, ihm die Stirn zu bieten. Auch anderen meine Grenzen zu zeigen muss ich immer noch lernen, so sehr war mein Selbstwert eingeschränkt. Als kleines Kind habe ich es nicht gelernt, mich wehren zu müssen. Ich hörte meine Mutter, welche bereits im Jahr 1997 verstorben ist, mal sagen: „Hartmut spielte immer so schön alleine oben in der Stube!“ Sicher gab es meine Brüder, aber das zählt eigentlich nicht so richtig.
Meinen ersten Freund lernte ich erst im Alter von 5 Jahren kennen. Ich nenne ihn mal aus Datenschutzgründen „Hartwig“, er ist knapp anderthalb Jahre Jünger als ich. Ich habe dieses erste Treffen eines „anderen Menschen“ außerhalb meines familiären Umfeldes fest in meiner Erinnerung. Mit ihm sollte ich noch viel Erfahrungen, nicht nur in der Kindheit, sondern auch im Erwachsenenalter, auf Motorradtouren durch ganz Europa, oder auf der Bühne mit der Band, sammeln.
Meine erste frühkindliche Erfahrung ist jene, dass ich, auf dem Wickeltisch liegend, noch ohne neue Windel, im hohen Bogen meine Mutter einnässte. Ich hatte wohl einen so hohen Druck auf der Blase, wie ich ihn heute erlebe, nachdem ich mir den 5 doppelten Kaffee aus meinem Automaten gezogen habe.

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich für meinen Vater Windeln besorgen müssen. Ich mag nicht daran denken, wie es wohl sein wird…

Fortsetzung folgt.

 

Bis demnächst, Herzlichst

Euer h.Art.mut