Fliehkraft

Fortsetzung von „Eingenässt“:

 

…falls ich mal in diese Situation kommen sollte. Ansatzweise habe ich es schon erfahren, als ich selbst, in einem Alter um die 20 Jahre herum, mehrfach hintereinander Zeit im Krankenhaus verbringen durfte, selbst nicht fähig war, zur Toilette gehen zu können.

Eines dieser auslösenden Ereignisse war ein Motorradunfall, der sich ereignete, als ich mit Hartwig im Harz, einem deutschen Mittelgebirge, mit dem „Brocken“ als höchsten Berg, damals in einer anderen Welt liegend, nur aus der Ferne sichtbar, unterwegs war. Wir hatten uns beide aus unserem flachen Land auf den Weg gemacht. Hartwig mit seiner 400er Four, einer 4 Zylinder Honda aus den 70’ern, und ich mit meiner 250’er Suzuki, eine bissige Zweitakterin, mit den Fahrgestellqualitäten eines Fahrrades. Nach einer guten Stunde Anfahrt fuhren wir durch den Harz, natürlich nur auf der westdeutschen Seite, denn die für Ostdeutsche unüberwindbare Grenze trennte nicht nur den Harz, nicht nur Deutschland, sondern Anfang der 80’er die ganze Welt. Von der Westseite war der Brocken, mit seinen markanten Abhörtürmen, am besten von Torfhaus aus zu sehen. So fuhren wir bei schönstem Sommerwetter, begleitet vom Duft der Tannenadeln der vielen Bäume, auf den sich durch das Baumdickicht windenden Straßen. Nachdem wir abends auf einem Campingplatz mit ein paar anderen jungen Motorradfahrern die Kunst des Pernod-Trinkens „erlernten“, und uns zu später Stunde der Aufseher des Campingplatzes äußerst eindringlich aufforderte endlich Ruhe zu geben, schliefen wir ein, so tief und fest wie ein Bär während seines Winterschlafes. Wir hätten eigentlich 2 Tage Schlaf gebraucht, um den Rausch und den Lakritz-Geschmack loszuwerden. Wie hoch der Restgehalt des Alkohols in meinem Blut noch war, weiß ich nicht, und nach meinem schrecklichen Unfall, bei dem zum Glück kein anderer von mir mit verwickelt wurde, ist der Restalkoholgehalt in meinem Blut nicht ermittelt worden.

Was war nun geschehen, warum geschieht ein Unfall? Nun, wir wollten uns gegenseitig fotografieren, während wir eine Kurve im schönen Oker-Tal, natürlich mit möglichst viel Schräglage, durchfuhren. Ich war als erster dran, Hartwig wartete am Kurveneingang, erwartungsvoll mit dem Fotoapparat in der Hand. Ich startete mit meiner 250’er, bergauffahrend, die Linkskurve mit viel Elan fest im Blick.

Wenn ich gewusst hätte, dass…

 

Fortsetzung folgt

Bis demnächst, Euer h.Art.mut

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