Archiv der Kategorie: Leben

Die Perlenkette

Fortsetzung von „Der Blinddarm“:

…ein Druck, der sich nach und nach im ganzen Körper ausbreitet. Dann kam nachmittags der Rettungstrupp an mein Krankenbett, nachdem sie mir morgens mit einer Spritze, so groß wie man sie sich nur in einem Alptraum vorstellen kann, eine „Probe“ aus meinem Bauchraum „gezogen“ hatten. Mittags hatte ich eine leichte „Dröhnung“ in Form einer Tablette verabreicht bekommen, so ließ ich zu, bei vollem Bewusstsein, die Operationsnarbe mit einem Skalpell wieder „öffnen“ zu lassen. Was dann passierte hatte ich schon bei den Ferkeln erlebt, ich erspare euch Details. Jedenfalls verbrachte dieser Schnitt ein Wunder, wie von Zauberhand war der „Druck“ in mir verschwunden…

…die Narbe musste jetzt durch Selbstheilung meines Körpers wieder zuwachsen, nach 6 Wochen war diese Verheilt und ich um eine Erfahrung reicher.

Aber wahrscheinlich hatte diese Entzündung in meinem Körper wohl doch noch etwas hinterlassen, da sich nämlich nach ein paar Monaten in meinem linken Unterschenkel eine Entzündung breit machte, schon wieder ins Krankenhaus. Als die mir verabreichten Antibiotika nicht wirkten kam ich nach ein paar Tagen schon wieder unter das Messer, dabei wurde in den ca. 10 cm lang geöffneten Entzündungsherd eine „Perlenkette“ und ein zusätzlicher Drainageschlauch eingenäht. Die Perlenkette bringt hierbei keimabtötende Substanzen direkt an die Erreger, diese saßen an meinem Unterschenkelknochen. Vor der OP hatten sie mir zwar erklärt, was an meinem Unterschenkel gemacht wird, dass sie eine Art Perlenkette dort einbringen, aber dass diese auch wieder irgendwie aus meinem Unterschenkel entfernt werden muss, davon war keine Rede. Wenn ihr selbst mal kurz mit einer Hand über die Vorderkante eures Unterschenkels streicht, merkt ihr, dass dort eigentliche nur eine dünne Haut ist, dann kommt sofort der Knochen. In dem Bereich hatten die Ärzte also nun diese Perlenkette eingenäht, die einzelnen Perlen haben einen Durchmesser von ungefähr 4 mm, aufgereiht in einem Abstand von 10 mm, verbunden mit einem durchgehenden Draht. Am Unterschenkel war die Struktur der Kette zu erahnen, nicht absehbar war aber der Schmerz, welcher verursacht wird, wenn diese Kette Kugel für Kugel, täglich jeweils eine, wieder herausgezogen wird. Es war noch nicht lange her, dass mein Blinddarm geplatzt war, ich hatte über den Schmerz geschrieben, aber dieser Schmerz, als die Kette das erste Mal ein Kettenglied herausgezogen wurde, hatte eine andere Qualität.

So muss es sich anfühlen, wenn…

 

Fortsetzung folgt

Bis demnächst, Euer h.Art.mut

(Auf dem Bild sind Windkraftanlagen wie an einer Perlenkette an Hochspannungsleitungen aufgereiht. Das Bild habe ich bei Helmstedt an einem gefluteten Tagebau gemacht, der Wandel in der Energiegewinnung ist hier besonders gut zu sehen.)

Der Blinddarm

Fortsetzung von „Fliehkraft“:

…es mich aus der Bahn wirft. Ich kam wieder hinter einer dreiteiligen Leitplanke zur Besinnung, mein Motorrad hatte sich am Tank um einen Stützfeiler der langgezogenen verzinkten und in der Sonne glänzenden Leitplanke gewickelt. Hartwig hatte, mit dem Fotoapparat in der Hand, alles mit angesehen. Die hohe Leitplanke steht dort nicht ohne Grund, denn nach einem ca. 3 Meter breitem Streifen dahinter geht es tief hinab in das Okertal. Ich wurde ins Krankenhaus nach Goslar gebracht, kam auf ein Dreibettzimmer. Die beiden anderen Betten waren auch belegt mit verunfallten Motorradfahrern, in Goslar hat man in dem Krankenhaus viel Erfahrung mit Motoradfahrern, die noch zu wenig Erfahrung haben im Umgang mit Gefahren. Ich hatte jedenfalls vom Motorradfahren die Schnauze gestrichen voll, wollte nie wieder ein Motorrad anfassen. Ach ja, ich hatte mir ein Schulterblatt angebrochen und ein paar Schürfwunden zugezogen, das war alles…
…ich erinnere mich, dass es zu der Zeit in meinem Umfeld auch immer mal wieder Tote bei Motorradunfällen gab, einige es nicht überlebt haben. Auch Hartwig hatte mehrere Unfälle, bei denen er zum Glück nie schwerer verletzt wurde. Mein damaliges Motorrad hatte ich mir kurz vor dem Unfall schön zurecht gemacht, neu lackiert, und es hatte nach einem Kolbenfresser neue Kolben und Zylinder bekommen…nun gut, der Motor war das einzige was nach dem Unfall noch funktionierte und da Kolben und Zylinder quasi neuwertig waren, konnte ich diesen noch gut verkaufen.

Das war mit Mitte 20 schon eine merkwürdige Zeit für mich, so lag ich doch, wie schon gesagt, mehrfach im Krankenhaus wegen verschiedener Geschehnisse. Das eine war dieser Unfall, ein anderes Ereignis war die Tatsache, dass sich mein Blinddarm, genauer, der Wurmfortsatz, entzündet hatte. Ich war bei meinem Hausarzt, aber er sah es wohl als nicht so Problematisch an, nachdem ich mich in seine Sprechstunde begeben hatte. So glaubte ich ihm…nachmittags nahm mich Hartwig mit auf seiner 400’er Four, wir fuhren auch durch Flettmar, ein Nachbarort, schon im Kreis Gifhorn gelegen. Die Straße war nicht gut, jedes Mal wenn ein Schlagloch kam, merkte ich sehr genau wo es weh tat, aber mein Hausarzt hatte es ja für nicht so schlimm befunden.
Abends, so gegen 22:00 Uhr, kam es dann zum Showdown, ein Schmerz, wie ich ihn bis dahin nicht kannte, schoss mir durch den ganzen Körper. Stehen war nicht mehr möglich, ich konnte mich noch mühsam kriechend zu meiner Zimmertür bewegen, den Arm nach oben gestreckt gerade so an die Türklinke kommend und die Tür öffnend, dann um Hilfe rufend. Meine Eltern waren wohl erst zu Bett gegangen und noch wach, durch den offenen Flur hörten sie meine leisen Hilferufe, tief Luft holen funktionierte nicht mehr. Sie brachten mich umgehend zum 25 Kilometer entfernten Krankenhaus, in dem ich nur kurze Zeit später schon auf dem OP-Tisch lag…wie es in meinem Unterlaib nach dem Platzen eines entzündeten Darmteiles ausgesehen hat möchte ich nicht wissen, aber es war aufgrund der folgenden Tage nach der Notoperation wohl nicht so schön. Denn eigentlich geht es einem nach einer „normalen“ Blinddarmoperation schnell wieder besser, aber mein Zustand verschlechterte sich zusehends. Irgendwo in meinem Unterlaib war wohl etwas zurückgeblieben was dort nicht hingehört, dann fing die Körperpolizei mit der Arbeit an, versuchte den ordentlichen Zustand wiederherzustellen, vergeblich.
Die folgenden Tage erinnerte mich an Ferkel, meine Eltern betrieben zu der Zeit noch im landwirtschaftlichen Nebenerwerb eine Ferkelzucht, welche mal eine Entzündung, z.B. am Bein, hatten. Mein Vater schnitt diese Stellen dann einfach auf, drückte den Eiter heraus, sprühte eine Desinfektionslösung auf die offene Wunde, und siehe da, die Ferkel wurden wieder gesund, meistens jedenfalls. Daran dachte ich und daran, was wohl mit mir und meiner Entzündung im Unterlaib geschehen wird, denn der „Druck“ war nicht mehr auszuhalten…

 

Fortsetzung folgt

Bis demnächst, Euer h.Art.mut
(Ich habe nach einem passenden Bild für diesen Artikel gesucht und war gerade auf Fototour wegen des blühenden Raps und die gelb-grünliche Farbe passt irgendwie…)

Klarheit…

…und Durchblick an einem schönen Wintertag, wer kennt das nicht? Beim Einatmen der trockenen und kalten Winterluft merkt man jede Strömung bis in die Lungenflügel, der Schnee knirscht beim Gehen. Manchmal ist eine Vision, oder ein Ziel, für mich klar erkennbar, so wie ein an diesen Tag erkennbares, weit entfernt am Horizont fliegendes, Düsenflugzeug. An anderen Tagen ist es aber so, als ob ich im Nebel umherirre, die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, kein klares Ziel ist mehr erkennbar.
Ein Ziel für den nächsten Tag, die nächste Woche, das nächste Jahr, den Rest meines Lebens, wie möchte ich den Rest meines Lebens verbringen?

Wie wäre es, wenn jeder sein Sterbedatum kennen würde? Wie verändern sich dann die Ziele der Menschen, würden sie einen Tag vor ihrem Ende noch einen Apfelbaum pflanzen? Würde ich das tun, in der Hoffnung darauf, dass es doch noch weiter geht, oder weil ich mit Allem im Reinen bin? Oder würde der Mensch, also auch ich, seine geheimsten Wünsche zum Leben erwecken?

JETZT die gewünschten Ziele setzen, und erreichen…