Alte Strukturen

Zu meiner selbstständigen Zeit als Tischlermeister hatte ich, so habt ihr vielleicht schon auf meinem Blog gelesen, die Betriebsabläufe meiner Tischlerei mit einem Computerprogramm komplett virtuell abgebildet. Programmiert hatte ich dieses hauptsächlich mit Visual Basic 6.0 von Microsoft. Da ich für meinen Tischlerbetrieb nicht noch extra ein langjähriges Informatikstudium einlegen wollte, arbeitet ich autodidaktisch, rein nach meinen gerade anliegenden Bedürfnissen der Betriebssteuerung.

Über die Jahre entwickelte sich ein sehr umfangreiches tief verschachteltes Programm. Entwickelt hatte ich diesen umfangreichen Code, wie oben beschrieben, in VB 6.0. Diese Entwicklungsumgebung wird seit 2008 von Microsoft nicht mehr unterstützt und wurde „abgekündigt“, die Welt von VB.Net ging auf, ein komplett neues Programmierkonzept war seitens von Microsoft notwendig geworden. Dazu später noch mehr.

Mein Programmcode war im Laufe der Zeit so umfangreich geworden, dass der Compiler, der macht aus dem Quellcode ein auf allen Windowsrechnern lauffähiges Programm, mit der Datenmenge nicht mehr umgehen konnte. Schrieb ich noch eine Zeile Quellcode dazu, wie zum Beispiel: MessageBox: „Der Speicher ist voll.“, beendete der Compiler seine Arbeit. So war ich gezwungen, wenn ich das Programm weiter an die Struktur meines Betriebes anpassen wollte, an irgendeiner Stelle Quellcode zu streichen, ein großes Unterfangen. Es musste, falls sich mein Betrieb weiterentwickeln sollte, eine neue Lösung gefunden werden. Letztendlich war dies auch mit einer anderen Struktur des Quellcodes möglich, so machte ich mich an die Arbeit. Hintergrund war auch der Fakt, dass ich meine tausenden Seiten von Quellcode nicht einfach in die neue Entwicklungsumgebung VB.Net exportieren konnte. Der einfache Weg in die Zukunft war mir also versperrt, nur eine komplette Neuaufstellung der Sofware war die einzige Option, so wie auch für Microsoft mit VB.Net.

Was will ich damit sagen?

Irgendwann sind Strukturen so tief verschachtelt, dass sie nicht mehr im Ganzen zu überblicken sind. Wenn ich das heillose Durcheinander der Politik sehe, wie verschiedene einzelne Interessen unter einen Hut gebracht werden sollen, dabei nicht alle Interessen mit einbezogen werden, da schlicht der Überblick nicht mehr da ist, graust es mir. Insbesondere, da aus dem Reich der Mitte, unser Chaos mit viel Freude beobachtet wird. Die Chinesen warten nur auf den Zusammenbruch unserer Demokratischen Grundordnung.

Die Steuer- und Sozialgesetzgebung ist derartig komplex, dass es keiner mehr überblicken kann. Es sind sofort duzende Experten erforderlich, die mit teuren Beratergebühren unser aller mühsam erarbeitetes Geld abschöpfen. Berater sind die Profiteure, nicht der Bürger. Steuerberater, welche eine lange Ausbildung absolvieren müssen, kommen an ihre Grenzen. Sie wissen zum Teil schon nicht mehr, wo etwas steht.

Industriekonzerne, inländische wie ausländische, wissen es schon, zahlen bei uns kaum Steuern. Sie können sich Experten leisten, oder sorgen über Lobbyarbeit für eine 1:1 Übernahme ihrer „Gesetzestexte“.

Ein Steuerrecht mit derartig vielen Ausnahmeregelungen, eine Sozialgesetzgebung für 4 verschiedene Klassen: „Privatversicherte Selbstständige, Privatversicherte Beamte, gesetzlich Versicherte und Unversicherte.“, ist ein Armutszeugnis für ein aufgeklärtes Land, ist ein Armutszeugnis für Deutschland.

Der Speicher ist voll.

Munter bleiben, euer h.Art.mut

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